Immer schon hatte ich geahnt, dass das spezielle Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir als besonders zu gelten hatte. Bestimmte Begrifflichkeiten waren für uns exotische Blumen, vor denen wir staunend stehen blieben. Niemand war auf solche Dinge so richtig vorbereitet. Vorallem nicht wir selber. Ich verstand wohl, dass Bedürfnisse von Zwillingen, wie wir sie nun einmal waren, als individuell galten, d. h. sie konnten sehr unterschiedlich sein. Und sie waren auch sehr unterschiedlich. Unterschiedlicher ging es kaum. Auf der Seite stand eine Tote, auf der anderen Seite ein Lebender. Und wir waren dabei nicht einmal durch Nichts getrennt. Schauten wir auf die Schenkelknochen von Mondaufgängen, auf winzige Sternblüten, so waren diese weder vor uns, noch in uns, sie waren durch ihre schiere Unmöglichkeit uns überhaupt erst möglich geworden.
